Dualismus und Einheit in Platons Höhlengleichnis

In Platons Höhlengleichnis liegt der Dualismus im Detail, die Einheit in der Vielfalt im Ganzen.

Die Einheit liegt im Anfang und im Ende.

Im Anfang der Pseudomonismus der Schatten: Es gibt nur die Schatten und nichts als die Schatten. Aufgeklärte Klarheit und Eindeutigkeit, die nichts ist als ein schwerer Traum.

Am Ende die Einheit des Firmaments, das über allem und in allem strahlt. Das durch himmlische Blitze das Feuer in uns gebiert, das die Schatten erzeugt.

Dazwischen – von der Sonne bis zum Feuer – waltet die Dualität.

Das Feuer, das zuinnerst wärmt und erhellt, wirft in der äußersten Ferne die kalten Schatten an die Höhlenwand, die alles zu festem Eis erstarren lassen. Kommt man dem Feuer näher, kann es warm und hell sein, zu nahe aber sengend und blendend. Wer sich dem inneren Feuer nähert, muss in sich Abstand halten können, indem er Kälte und Hitze, Dunkelheit und Licht, verbindet.

Auch die Erkenntnis am hellen Tage ist noch zweischneidig. Wer nur die Sonne des Tages sieht und glaubt, schon die fundamentale Wahrheit zu besitzen, den versengt die Sonne in trockener Wüste. Alles was er sieht, ist bloß Fata morgana.

Wer durch die sternenklare Nacht streift, ahnt die Unendlichkeit des Firmaments, in dem kein Ende ist. Er kann in einsamer Waldlichtung den Sonnenaufgang über dem östlichen Meer erwarten. Er kann die Sonne durch den wolkenverhangenen Himmel am Mittag betrachten, den Stürmen trotzen und den Blitz empfangen, der ein Feuer entzündet, das die Höhle erwärmt und erleuchtet, und die Schatten wie lebendig macht.

Und am Ende ist Eine Welt.

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Über Robert Harsieber

Philosoph, Wissenschaftsjournalist, Verleger (RHVerlag), Mitarbeit an verschiedenen Projekten. Philosophische Praxis: Oft geht es darum, Menschen dabei zu helfen, ihr eigenes Weltbild zu erkunden. Interesse: Welt- und Menschenbilder, insbesondere die Frage eines zeitgemäßen Welt- und Menschenbildes.
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