Zehn ziemlich oberflächliche Thesen zum Islam und Europa

Antwort auf einen Gastkommentar im Kurier, von Mag. Dr. Theo Faulhaber, Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler, Publizist. Jüngst erschienen „Abschied von Europa – Aus Abendland wird Morgenland“.

These 1: Es gibt keinen „normalen“ und einen „radikalen“, sondern nur EINEN Islam: Da ist dem türkischen Präsidenten Recep Erdogan ebenso zuzustimmen wie Leon de Winter und anderen. Der Koran ist unveränderliches Gotteswort, wer ein guter Moslem sein will, nimmt ihn ernst.
Jeder, der sich nur am Rande mit dem Islam beschäftigt weiß, dass es DEN Islam nicht gibt. Jede Schule legt ihn anders aus und lebt anders danach. Das vervielfältigt sich noch mehr, wenn man die gesamte Geschichte des Islam verfolgt.

These 2: Infolge seiner ihm „innewohnenden Militanz“ und „Ethik der Unterwerfung“ (Peter Sloterdijk u. v. a.) gibt es daher auch keinen „Islam light“. Wieso man sich über die Grausamkeiten der Al-Kaida, des IS, der Boko Haram usw. wundert, ist erstaunlich: Sie agieren nicht anders als Mohammed.
Al-Kaida, IS, Boko Haram usw. sind sozusagen der „Islam light“, Pseudoislam ohne Religiosität.

These 3: Eine Religion und deren Inhalte zu beanstanden, muss erlaubt sein. Wer christliche Kirchen kritisiert, muss nicht automatisch „links“ sein, wer dies beim Islam tut, nicht automatisch „rechts“. Die Nazikeule wird zu oft geschwungen, als Totschlagargument. Weinerlich wird bedauert, dass immer wieder die Tötungsgebote des Korans zitiert werden, anstatt zu beklagen, dass sie in ihm überhaupt formuliert sind. Das erinnert an Franz Werfels Roman „Nicht der Mörder, der Ermordete ist schuldig“. Nicht der, der den Islam kritisiert, ist der Faschist, sondern der Islam enthält demokratie- und menschenrechtsfeindliche, faschistische Tendenzen (Hamed Abdel-Samad u. v. a.).
Wer irgendeine religiöse Schrift wörtlich nimmt, beweist, dass er die Schriften nicht ernst nimmt. Dass er die Bilder- und Symbolsprache nicht versteht oder nicht verstehen will. Da ist der Islam, der aus der Urheimat der Bildersprache kommt, keine Ausnahme.

These 4: Viele Moslems und ihre Freunde behaupten, das, was IS, Boko Haram etc. „veranstalten“, habe nichts mit dem Islam zu tun. Das ist Realitätsverweigerung. Kein Christ, Jude, Hindu, Buddhist oder Anbeter Manitous kämpft im Djihad. Also müssen die täglichen Terror-Grausamkeiten etwas mit dem Islam zu tun haben …
Sie alle haben schon mal im Djihad gekämpft. Niemend behauptet, dass das originäres Christentum, Hinduismus, Buddhismus oder sonst was ist. Auch im Humanismus der Aufklärung, in der Französischen Revolution wurde geköpft, und das sogar maschinell. Niemand wird ernsthaft behaupten, dass das dem Humanismus inhärent sei.

These 5: Integrationsprobleme in Europa gibt es fast ausschließlich bei Moslems. Insbesondere Wien war stets eine Einwandererstadt, aber es gab kaum Probleme mit Tschechen, Ungarn, Südslawen, auch Asiaten. Integrationsschwierigkeiten liegen kaum an der Ethnie, sondern in hohem Maße an der Religion.
Integrationsprobleme sind eine sehr komplexe Angelegenheit, an der auch die Einwanderungsländer nicht gerade rühmlich involviert sind.

These 6: Der Islam ist weitgehend anpassungsunfähig. Das entspricht seiner inneren Logik: Der Koran ist Gottes Wort, daher unveränderlich. Der Vergleich mit den Gräueltaten des Christentums (Kreuzfahrer, Mission mit dem Schwert) hinkt: Das Christentum verübte seine Verbrechen gegen die Gebote seines Gründers. Die Unveränderlichkeit des Gotteswortes, des Islams, führte zu „1400 Jahren Stillstand“ in seinem Herrschaftsgebiet, zu einer „versiegelten Zeit“. Diese Zeitkapsel will sich der Islam bewahren.
Der Islam hat das Griechische inkulturiert (genauso wie das Christentum), war in den Wissenschaften führend, noch bevor es bei uns sowas wie Wissenschaft gab. Die andere Seite des Islam zu verdrängen, ist heute Methode.

These 7: Europa hat sich aus den Fängen eines falsch verstandenen Christentums und der Herrschaft der Kirche befreit, es hat sich durch die Aufklärung emanzipiert. Diese jahrhundertelange Entwicklung fehlt dem Islam. Er ist im Mittelalter stecken geblieben. Wer verlangt, der Islam möge die Aufklärung nachvollziehen, verlangt auch, dass Moslems aufhören, den Koran als Gottes Wort anzusehen.
Eines falsch verstandenen Christentums? Also gibt es doch eine falsch verstandene Religiosität? Und der Islam wird ausschließlich richtig verstanden? Wer widerspricht sich da selbst?

These 8: Viele Multikulti-Ideologen, die den Islam als Bereicherung sehen, stellen wie bei einem Pawlowschen Reflex die Interessen des eigenen Landes unter jene der Moslems. Siehe Islamgesetz: Sie klagen, die Moslems würden dadurch zu Österreichern zweiter Kategorie. Das neue Islamgesetz macht nicht Moslems zu Menschen zweiter Kategorie, sondern stellt sie den bisher benachteiligten christlichen Kirchen gleich. Den Moslems ist daher ein „Abschied von der Opferrolle zu empfehlen. Auch sollte unsere gar nicht so schlechte „Willkommenskultur“ durch eine positive Haltung der Immigranten gegenüber dem neuen Land, eine bejahende „Zutrittskultur“, ergänzt werden.
Der nächste Widerspruch! Wo sind die benachteiligten christlichen Kirchen? „Abschied von der Opferrolle“ ist sicher richtig. „Zutrittskultur“ braucht aber Zeit. Und es wird den zutrittswilligen Immigranten nicht gerade leicht gemacht. Siehe die immer größere politische Rolle rechter Parteien und Ideologien. Was auch ohne Migrationsproblem eine Katastrophe ist.

These 9: Die Hoffnung auf einen Wandel des Islams ruht auf vor allem auf den Schultern der Frauen, die sich aus den Klauen und Fängen einer mittelalterlichen Macho-Unkultur befreien sollten. Der Machismo des Islams ist im Koran und seinen vielen frauenfeindlichen Passagen begründet. Viele feministisch bewegte Frauen verteidigen einäugig eine Frauen verachtende Ideologie.
Wenn man gewillt und intellektuell dazu fähig ist, den Koran im historischen Kontext zu sehen, wird sich offenbaren, dass der Koran damals eher fortschrittlich auch in Hinsicht auf Frauen war. Z.B. wurde ihnen ein Erbrecht zugestanden, das sie vorher nicht hatten. Zur Zeit Abrahams war das Kindesopfer auch etwas völlig Normales. Diese Passagen heute wörtlich zu nehmen, ist Unsinn, und das tun sehr viele Moslems auch nicht mehr. Auch das „Aug um Auge“ war damals ein Fortschritt, heute wäre es Wahnsinn. Aber in damaliger Zeit, wo es üblich war, für einen Mord den gesamten Stamm zu massakrieren, war es zweifellos ein Fortschritt.

These 10: Es geht demokratiepolitisch nicht an, den Islam zu immunisieren und Islamkritik mit der Nazi- und Faschismuskeule zu verfolgen. Dies ist ein Symptom jener Orientierungslosigkeit und tiefen Dekadenz, in der sich Europa befindet. Wenn sich Europa nicht auf seine Wurzeln und Identität besinnt, wird sich die im Gange befindliche Islamisierung beschleunigen, und dann könnte es bald Schluss sein mit der vielgerühmten Toleranz, wie viele Beispiele zeigen. Fazit: Die Wahrheit muss zumutbar sein – auch über den Islam …
Orientierungslosigkeit und Dekadenz ist ein wahres Wort. Aber auch die Wurzeln Europas sind sehr komplex. Und wenn sich jemand nur auf eine Wurzel besinnen und die anderen ausblenden und verdrängen will, dann steht unterm Strich Antisemitismus und Antiislamismus. Das ist traurige Realität und keine Faschismuskeule.
Fazit: Die Wahrheit muss zumutbar sein – aber die Wahrheit über das gesamte, sehr komplexe Problem. Leider hat die vielgerühmte europäische Kultur noch nicht gelernt, mit komplexen Problemen umzugehen.

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Über Robert Harsieber

Philosoph, Wissenschaftsjournalist, Verleger (RHVerlag), Mitarbeit an verschiedenen Projekten. Philosophische Praxis: Oft geht es darum, Menschen dabei zu helfen, ihr eigenes Weltbild zu erkunden. Interesse: Welt- und Menschenbilder, insbesondere die Frage eines zeitgemäßen Welt- und Menschenbildes.
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Eine Antwort zu Zehn ziemlich oberflächliche Thesen zum Islam und Europa

  1. SalvaVenia schreibt:

    Herzlichen Dank für diese wichtigen Antworten.

    Daß die Sozialwissenschaft keine mehr ist, sondern zur reinen Ideologie verkam, kann den Ausführungen des verehrten Herrn Magister beispielhaft entnommen werden … 😦

    Es ist wirklich ein Trauerspiel, ja wahrscheinlich sogar eine Schande, wie nicht einmal die einfachsten Zusammenhänge begriffen werden und Korrelationen wild zu Kausalitäten erhoben werden, als würde es kein Morgen geben.

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