Matilda Leko: Was ist Jazz?

Matilda Leko Trio – mit Nikola Stanosevic piano und Andy Mayerl bass – brachte den Wiener Jazz-Club ZWE zum Kochen! Angekündigt als Gipsy Jazz wurde die Veranstaltung zum Lehrstück in Sachen Jazz!

Gipsy Jazz ist selbstverständlich eine der Stärken der Mezzo-Roma Matilda Leko – sie darauf zu beschränken ein Ding der Unmöglichkeit. Sie begann ihr Programm mit „Different Point of View“, einer Eigenkomposition aus ihrer gleichnamigen CD, und endete mit einem – ebenfalls selbst komponierten – Wienerlied „Passt scho“, in dem sie mit typischer Wienerlied-Stimme schmunzelnd die Wiener Mentalität auf die Schaufel nimmt. Was sich dazwischen abspielte war ein emotionales Feuerwerk, in dem die Künstlerin den kompletten Fächer des Jazz ausbreitete. Die „kleine“ Fangemeinde der Sängerin hatte zwar kaum Platz in ZWEs Räumlichkeiten, man stieg einander friedlich auf die Zehen und blessierte schon mal die hübschen Knie einer Kollegin – Künstlerneid ist anscheinend auch ein Fremdwort in Matildas Fan-Club – und die Energie der Jazzerin schwebte über den Wassern. OK, es mag auch mal Cola, Bier oder Zweigelt gewesen sein.

Was ist Jazz?

Aber um es kurz zu machen: Die Antwort auf die Frage, was ist Jazz? Die Antwort heißt Matilda Leko! Nicht nur in Wien, sondern auch und vor allem in internationaler Dimension.

Was verbinden die Österreicher normalerweise mit dem Begriff „Jazz“? „Hochintellektuelles Gedudel“ (aus einem Disput unter Jazz-Musikern!), bei dem man sich wundert, dass es jemand unter die Haut geht. Ja, das gibt es auch. Ist aber eigentlich ein Randthema, oder sollte es sein. Denn Jazz ist genau das Gegenteil! Und noch viel mehr. Wie man sich am 16. Mai im ZWE überzeugen konnte. Von Gipy Jazz bis klassischem Jazz präsentierte die Künstlerin eine unglaubliche Vielfalt, manches was man auf den ersten Blick nicht gleich mit Jazz assoziieren würde – und doch unverkennbar Jazz! Statt intellektuellem Gedudel entluden sich emotionale Blitze über die Fans. Matildas Energie übertrug sich auf das Publikum, sodass eine kompakte Einheit entstand. Mitreißend auch die Solis von Nikola Stanosevic und Andy Mayerl.

Bei Matilda Leko Trio muss man das Wort „Trio“ nicht so ganz wörtlich nehmen. Wenn die menschliche Stimme ein Instrument ist, dann ist die von Matilda Leko ein ganzes Orchester. Sie wird nicht nur von Instrumenten begleitet, sie scatet in perfekter Imitation von Instrumenten, die sie nach Belieben wechselt. Außerdem reicht der Stimmumfang der Künstlerin von tiefsten Tiefen bis zu den höchsten Höhen – und das sowohl vokal als auch emotional. Denn das eigentliche Instrument ist die Seele, mit der sie alle Höhen und Tiefen umfasst und den ganzen Raum durchdringt.

Jazz ist nicht so sehr eine Frage des Was, sondern des Wie! Es geht um den Zauber einer Stimmung, eingefangen auch in literarischen Texten. Für Matilda Leko wird eben alles, was sie musikalisch „angreift“, zum Jazz. Und durch ihre Wandlungsfähigkeit bleibt sie immer authentisch und das mit ihrer unverkennbaren Charakteristik. Vom Balkan über Brasilien und Amerika und wieder zurück, bis zum Wienerlied.

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Über Robert Harsieber

Philosoph, Wissenschaftsjournalist, Verleger (RHVerlag), Mitarbeit an verschiedenen Projekten. Philosophische Praxis: Oft geht es darum, Menschen dabei zu helfen, ihr eigenes Weltbild zu erkunden. Interesse: Welt- und Menschenbilder, insbesondere die Frage eines zeitgemäßen Welt- und Menschenbildes.
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