Rechte Asylpolitik oder Christentum?

Ob Arigona Zogaj oder jetzt Leonesa Mujaj – die Österreicher haben so ihre Probleme mit der Menschlichkeit. Und genau daran sieht man, dass Österreich längst kein christliches Land mehr ist.

Es ist ja interessant, dass es auch unter (selbsternannten) „Christen“ einen rechten Rand gibt, der vehement für diese menschenverachtende Asylpolitik eintritt, aber ein ähnliches Phänomen finden wir auch bei den radikalen „Moslems“. Eigenartig, dass hier so gar keine Verbrüderung stattfindet.

Aber zurück zum Anfang: Unsere Asylgesetze (nicht zu verwechseln mit den Folterparagraphen) schaffen eine „Realität“, die ungefähr so aussieht: Um Asyl Ansuchende werden jahrelang hingehalten; Jahre, in denen sie nicht arbeiten dürfen. Sie dürfen kein eigenes Geld verdienen, müssen daher von dem bisschen Geld leben, das sie vom Staat bekommen. Was ihnen vorgeworfen wird: Sie leben von unserem Geld. Kunststück – alles andere ist ihnen ja verboten.

Psychiatrie oder Justiz – ein Drittes gibt es nicht

Sie sind zum Nichtstun verdammt. Und das jahrelang. Für jemand, der traumatische Erlebnisse hinter sich hat, der seine Familie hat sterben sehen oder der selbst nur knapp dem Tod entkommen ist, bedeutet das nichts anderes als weitere Folter. Sich mit Arbeit einigermaßen abzulenken ist ihm ja verwehrt. Wer in Russland von der Mafia verfolgt wurde und nur knapp dem Tod entkam, wird zurückgeschickt. Dort gibt’s ja keinen Krieg. Nach Afrika wird fröhlich abgeschoben. Dass der Zurückkehrende nicht mehr in den Stammesverband aufgenommen wird, was dort einem Todesurteil gleichkommt, macht nichts. Es gibt ja dort keinen Krieg.

Wer nicht arbeiten darf und jahrelang in Asylheimen leben muss, wie in einem Gefängnis, dem bleiben nur zwei Möglichkeiten: entweder er wird ein Fall für die Psychiatrie – oder für die Justiz. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht.

Integration oder nicht Integration – auf jeden Fall falsch

So es Familien sind, kann man die Kinder nicht auch zum Nichtstun zwingen, sie gehen wenigstens zur Schule, lernen Freund/innen kennen, lernen Deutsch usw. Das heißt, sie integrieren sich. Genau das ist ihnen aber verboten, sie müssen ja damit rechnen, dass sie nach acht bis zehn Jahren abgeschoben werden. Da haben sie dann die Pflichtschule hinter sich, und manche haben z.B. Redewettbewerbe gegen die einheimische Konkurrenz gewonnen. Mit Strache, FPÖ (die auf Wahlplakaten oft nicht einmal einen kurzen Satz ohne Schreibfehler zustande bringen) und allen, die in der Asylpolitik ihr Unwesen treiben, können sie es inzwischen mit links aufnehmen.

Sich zu integrieren ist strikt verboten, sie müssen ja damit rechnen, dass sie einmal unser Land verlassen dürfen. Sollten die Herren Asylrichter dann nach Jahren so gnädig sein und ein Urteil sprechen, werfen sie den Kindern so vom Schreibtisch her vor, dass sie sich nicht „nachhaltig integriert“ haben. Was also? Sind die Herren der simplen Logik nicht mächtig?

Es wäre ja eine Leichtes, sich nachhaltigst zu integrieren, um dem zu erwartenden Richterspruch Genüge zu tun. Nur wenn der Richter nicht einmal mit den zu Beurteilenden spricht, dann können die besser integriert sein als unser Herr Bundespräsident – es wird ihnen nichts nützen.

Kolonialpolitik auf Österreichisch

Vielleicht ist das der Zweck: Wir produzieren in Österreich bestens integrierte Menschen, die im Kosovo oder sonst wo leben müssen. Irgendwann ist dann der Kosovo österreichisch und wird von uns annektiert. Ein Revival der Kolonialpolitik auf Österreichisch. Vielleicht ist das auch die Retourkutsche derer, die Angst davor haben, dass Mitteleuropa mittelfristig von den Moslems überrannt wird. Wenn Österreich muslimisch wird, dann haben wir immer noch den Kosovo.

Wenn Unmenschlichkeit siegt…

Aber um auf den zweiten Teil des Titels zurückzukommen: An solchen Unmenschlichkeiten sieht man am besten, dass Österreich längst kein christliches Land mehr ist. Es gibt zwar auch eine atheistische Ethik – selbstverständlich, es gibt ja auch so was wie ein Naturrecht – aber von dort scheint auch keine Rettung zu kommen. Auch die gehen nicht auf die Straße gegen den asylrichterlichen Rechtsextremismus. Die wenigen Aufschreie kommen aus Richtung der Caritas. Während wir noch über Zölibat oder Frauenweihe diskutieren, werden wir erst am völligen Verschwinden des wesentlich Christlichen bemerken, was uns wirklich fehlt.

Nachtrag:

Das Neue Testament durch die Brille des Asylgerichts

Das Christentum ist ja eigentlich die Migrantenreligion par excellence: Die Familie Jesu‘s musste flüchten und hat wahrscheinlich in Ägypten um politisches Asyl angesucht. Auch das dortige Verfahren hat sich offenbar so lange verzögert, bis man letztendlich  festgestellt hat, dass sich Jesus nicht „nachhaltig“ in Ägypten integriert hat. Man hat ihm auch nicht abgenommen, dass er politisch verfolgt wurde, Israel war annektiert, aber kein Kriegsgebiet. Also kein Grund, Jesus nicht abzuschieben. Dass das ein tragischer Irrtum war, lesen wir heute im Neuen Testament.

Das Christentum ist dann in alle Welt eingewandert, der Migrationshintergrund gehört also wesentlich dazu. Gäbe es in aller Welt so menschliche Asylrichter wie in Österreich, die die Christen mangels nachhaltiger Integration abschieben würden – Israels Grenzen müssten Kleinasien, Arabien, Afrika und Europa umfassen – mindestens.

Aber im Ernst: Der Auftrag, in der Welt, aber nicht von der Welt zu sein, macht uns alle zu Menschen mit Migrationshintergrund. Wir alle (einmal abgesehen von H.C. Strache) haben ein Ziel, mehr als Mensch zu sein, nicht ein begrenztes Areal als Heimat zu haben, sondern die Unendlichkeit. Wem genügt es schon, im Wohnzimmer zu streiten, im Bewusstsein, ein ganzes Haus zur Verfügung zu haben? Nichts anderes ist Religion.

Aber mit Menschen menschlich umzugehen, wäre eine Mindestanforderung.

Advertisements

Über Robert Harsieber

Philosoph, Wissenschaftsjournalist, Verleger (RHVerlag), Mitarbeit an verschiedenen Projekten. Philosophische Praxis: Oft geht es darum, Menschen dabei zu helfen, ihr eigenes Weltbild zu erkunden. Interesse: Welt- und Menschenbilder, insbesondere die Frage eines zeitgemäßen Welt- und Menschenbildes.
Dieser Beitrag wurde unter Gesellschaft veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s