Dualismus und Einheit in Platons Höhlengleichnis

In Platons Höhlengleichnis liegt der Dualismus im Detail, die Einheit in der Vielfalt im Ganzen.

Die Einheit liegt im Anfang und im Ende.

Im Anfang der Pseudomonismus der Schatten: Es gibt nur die Schatten und nichts als die Schatten. Aufgeklärte Klarheit und Eindeutigkeit, die nichts ist als ein schwerer Traum.

Am Ende die Einheit des Firmaments, das über allem und in allem strahlt. Das durch himmlische Blitze das Feuer in uns gebiert, das die Schatten erzeugt.

Dazwischen – von der Sonne bis zum Feuer – waltet die Dualität.

Das Feuer, das zuinnerst wärmt und erhellt, wirft in der äußersten Ferne die kalten Schatten an die Höhlenwand, die alles zu festem Eis erstarren lassen. Kommt man dem Feuer näher, kann es warm und hell sein, zu nahe aber sengend und blendend. Wer sich dem inneren Feuer nähert, muss in sich Abstand halten können, indem er Kälte und Hitze, Dunkelheit und Licht, verbindet.

Auch die Erkenntnis am hellen Tage ist noch zweischneidig. Wer nur die Sonne des Tages sieht und glaubt, schon die fundamentale Wahrheit zu besitzen, den versengt die Sonne in trockener Wüste. Alles was er sieht, ist bloß Fata morgana.

Wer durch die sternenklare Nacht streift, ahnt die Unendlichkeit des Firmaments, in dem kein Ende ist. Er kann in einsamer Waldlichtung den Sonnenaufgang über dem östlichen Meer erwarten. Er kann die Sonne durch den wolkenverhangenen Himmel am Mittag betrachten, den Stürmen trotzen und den Blitz empfangen, der ein Feuer entzündet, das die Höhle erwärmt und erleuchtet, und die Schatten wie lebendig macht.

Und am Ende ist Eine Welt.

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Platons Höhlengleichnis

Gefesselt an mentalen Kisten

Schatten an Weltenwänden müssten

dienen als schwarz-graue Realität

nicht wissend, welch ontologische Diät.

 

Erwacht zum Denken einer der ihren

entfesselt halten ihn für einen Irren

doch blickt er gegen den gewohnten Traum

wird gewahr ein gewaltiger Innenraum.

 

Tief erstreckt sich der Höhle Gemäuer

hinten tragen vor flackerndem Feuer

Wesen die Gegenstände hin und her

die als Schatten der Realität Gewähr.

 

Dann führt eine Treppe, die nicht endet

von strahlendem Licht  geblendet

endlich in die Freiheit der wirklichen Welt

die alles, auch die dunkle Höhle mit erhält.

 

Der Blick zum Himmel hoch erhaben

Sonne, Mond und Sterne laben

ganz innig, tief und wohl gekonnt

der Seele weiten Horizont.

 

Während tief in der Höhle Schatten nur gefällt

erschließt sich als Ganze jetzt die Welt

Nicht Dualität, wie alle vermuten

nur eine Welt des Ganzen, Guten.

 

Voll Freude zurück, die Botschaft zu bringen

allen, die noch mit den Schatten ringen,

doch die, weil stets nur Schatten erblickt,

halten ihn für völlig verrückt.

 

 

Platon ist der Denker des Gegensätzlichen, Dialektischen, des Widerspruchs und des Lebendigen. Dass das Ganze des Lebendigen den Widerspruch in sich trägt und aushalten muss, hat später Hegel bestätigt. Wäre Platon ein Dualist, wie es ihm immer unterschoben wird, er hätte das Höhlengleichnis nicht schreiben können. Dann hätte er ein Bild aus Schatten und Gestirnen konstruieren müssen, ohne Höhle, Feuer, Menschen, Gegenstände, Aufstieg usw.

Das Gleichnis zeigt den Menschen, der nur Schatten sieht, auch von sich selbst, reinste Objektivität, der das Lebendige fehlt, das nicht in den Blick kommt. Treffender kann man unsere Situation nicht beschreiben.

Oben ist dagegen der helle Tag, die Licht und Leben spendende Sonne, die eine bunte Vielfalt des Lebens ermöglicht. Doch zwischen der Schattenwelt und der Welt der Gestirne gibt es keine direkte Verbindung.

Dazwischen liegt hinten und oben in der Höhle der Innenwelt eine Balustrade, hinter der ein Feuer brennt, das die Schatten wirft, die Menschen und ihre Gegenstände werfen. Damit bezeichnet Platon das verborgen Lebendige hinter den Schatten.  Erst von hier aus gibt es eine Verbindung zur Welt der Gestirne, denn Prometheus holte das Feuer vom Himmel. Das erste Feuer kam wohl durch Blitze auf die Erde. Dies ist das lebendige Feuer in uns, das uns zu Endlichen macht, die auf Unendliches bezogen sind. Das innere Feuer stammt ursprünglich aus der Himmelswelt.

Dieser hintere und obere Teil der Höhle ist die Psyche, könnten wir heute sagen. Ihr Feuer ist zwiespältig, wärmend und erhellend einerseits, versengend und blendend andererseits. Hier haben wir die Dualität und den Widerspruch des Lebendigen. Wer sich aus den Fesseln der objektiven Schattenwelt lösen kann, und sich auf den Weg unter das Firmament machen will, muss zuerst am Feuer seiner Innenwelt vorbei. Muss sich erst an die Helligkeit gewöhnen und wird erst jetzt der Kälte der Schattenwelt gewahr. Das darf nicht zu schnell gehen, die Augen müssen sich erst an das Licht gewöhnen, und die Wärme ist auch ungewohnt. Sich zu schnell und enthusiastisch zu nähern wird zu Verbrennungen führen und eventuell dem Augenlicht schaden.

Dies führt auch unweigerlich zur Frage, was denn wirklicher sei, die objektiven Schatten oder die Gegenstände der Innenwelt im flackernden Feuer? Die Schatten waren klar und eindeutig und konnten vermessen werden. Die inneren „Gegenstände“ sind nicht festzuhalten, verändern sich je nach Flackern des Feuers. Obwohl konsistenter als die Schatten, erscheinen sie oszillierend, nicht festzuhalten im flackernden Licht des Feuers. Rein subjektiv und unwissenschaftlich, würden die Schattenmenschen sagen. Und doch wird erst jetzt klar, wie die Schatten von innen her entstehen. Die Schatten erscheinen nur objektiv, obwohl sie von innen her geworfen werden.

Würde jemand gezwungen aufzustehen, den Blick nach innen zu wenden, er würde zunächst nur ein Flimmern sehen, längst nicht so feststehend wie die vermessenen Schatten, an die er gewöhnt war. Nichts Reales, wäre notwendigerweise sein Eindruck. Wie könnte man ihm erklären, dass er jetzt sieht, wie die Schatten zustande kommen, die ihm viel realer erscheinen?

Würde man ihn ans Sonnenlicht außerhalb der Höhle bringen, wäre er noch mehr geblendet, und sehnte sich zurück nach der vertrauten Dunkelheit. Er wird zunächst gar nichts sehen und die Augen geblendet schließen müssen. Er müsste sehen lernen zunächst in der Nacht im indirekten Licht des Mondes. Dann am Tag das Bild der Sonne, gespiegelt im See. Erst zuletzt könnte er sich unter dem Himmel frei und sehend bewegen. Er wäre den Weg des Mystikers gegangen.

Käme er aber zurück und setzte sich auf seinen Sessel, er sähe nur Dunkelheit, wo die anderen klare Schatten sehen. Wie sollte er denen, die hier klar sehen, erklären, dass sie in einer dunklen Welt leben und Schatten vermessen? Wie sollte er ihnen vom hellen Tag unter dem Himmel, und der Vielfalt der bunten Welt erzählen? Wer würde ihm glauben? Wie sollte er ihnen erklären, dass es die Schattenwelt nur deshalb gibt, weil ein inneres Feuer, dessen Ursprung der Himmel ist, diese vertrauten Schatten produziert? Er müsste sich ja selbst erst wieder an die Dunkelheit gewöhnen, und sähe alles andere als klar. Und die anderen würden ihm beweisen, dass er mit verdorbenen Augen zurückgekommen wäre und alles nur seine Fantasie und Einbildung wäre.

Sie würden Vereine wie die „Skeptiker“ oder die „Giordano Bruno Gesellschaft gründen“, die ganz wissenschaftlich beweisen, dass nur die Schatten Realität seien, alles andere aber lächerlich.

Es genügt daher nicht, von der Welt unter dem Himmel zu erzählen, und für die Hörenden genügt es nicht, das Erzählte zu glauben. Das wäre zahnlose Philosophie oder täuschende Religion. Man muss die Gefesselten dazu bringen, selbst den Weg zu gehen, der zuerst nach innen, und dann nach „oben“ führt. Aber am Ende des Weges zeigt sich die Welt als Ganze und das Eigene in der Welt.

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Leibniz, Quantentheorie, Psychologie und Ganzheitsmedizin

Teil 1: Von Leibniz ins 20. Jahrhundert

 GM 1-2017_15-19.

 

Teil 2: Die Monadologie aus heutiger Sicht

GM 2-2017_15-19.

 

Teil 3: Medizin jenseits des Dualismus

GM 3-2017_14-18.
Leibnizbüste-im-Ostflügel-des-Museum-Schloss-Herrenhausen_2l
©
LHH. Gottfried Wilhelm Leibniz (1646 – 1716)
2013 fand die Original-Büste einen neuen Standplatz
im Museum Schloss Herrenhausen in Hannover.
Dürr, Hans-Peter

Hans-Peter Dürr © RH

 

Jung.Pauli

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Projektionen rund um das Kopftuch

Quelle: Projektionen rund um das Kopftuch

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Psychologie und Religion

Brückenbau

Die allermeisten Diskussionen von und mit Religiösen und Atheisten kranken an einem Missverstehen dessen, was der Mensch ist, und zwar von beiden Seiten. Da religiöse Schriften in einer dem heutigen Denken fremden Sprache geschrieben sind, ist eine Diskussion der Texte sinnlos. Den Schlüssel zu diesen Texten hätten wir zwar seit etwa hundert Jahren in der Tiefenpsychologie, doch die wird seit ebenfalls hundert Jahren verdrängt und verleugnet.Unenparadox.

Der Mensch steht aber immer in Beziehung zu diesem ihm Unbekannten und Übergreifenden. In religiöser Sprache ist der Mensch Endliches, bezogen auf Unendliches. In psychologischer Sprache ist der Archetypus des Selbst nicht von den Gottesbildern zu unterscheiden. Der Archetypus ist schlichtweg unbewusst, und Gott ist das schlichtweg Unnennbare.

Ein weiteres Paradox ist die unbewusste (und irrationale) Grundlage des Menschen einerseits und di notwendige (rationale) Bewusstwerdung andererseits. Im Mythos lebten die Menschen in ihrer Ganzheit, aber dunkel und unbewusst. Heute leben wir in unserem…

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10 Thesen zum heutigen Weltbild

Unser Weltbild ist im ausgehenden 19. Jahrhundert stecken geblieben. Die rasante Entwicklung des 20. Jahrhunderts ist spurlos an uns vorbei gegangen. Das müsste uns zunächst bewusst werden, dann erst könnten wir das Versäumte nachholen.

„Wir leben im 21. Jahrhundert mit der Technologie des 20. Jahrhunderts und wollen die heutigen Probleme mit dem Denken des 19. Jahrhunderts lösen – und das kann nur in den Graben gehen…“ (Hans-Peter Dürr)

10 Thesen, die das Problem bewusst machen sollten:

1.  Wir leben heute mit einem Denkrahmen (Welt- und Menschenbild), das an die Naturwissenschaft angelehnt ist, allerdings an die  Naturwissenschaft des ausgehenden 19. Jahrhunderts.

2.  Die Revolution Galileo Galileis und Isak Newtons hat zu einer Revolution im Denken nicht nur der Scientific Community, sondern auch der Gesellschaft geführt. Die Revolution der Quantenmechanik und der Tiefenpsychologie ist dagegen an unserem Denken bisher spurlos vorbeigegangen.

3.  Quantenmechanik und Tiefenpsychologie erfordert einen neuen Denkrahmen, weil diese Theorie über die westliche Logik hinausgeht. Das „Entweder – Oder“ wird der Wirklichkeit nicht mehr gerecht, ebenso wenig die Trennung zwischen Subjekt und Objekt und das Fragmentieren (Analyse) der Wirklichkeit.

4.  Die Naturwissenschaft war/ist unglaublich erfolgreich, aber nach Herbert Pietschmann deshalb, weil sie „die Welt, in der wir leben, ersetzt durch eine Welt, die wir erfinden … die Analyse.“ So gilt der Satz: „Alle Körper fallen gleich schnell“ nicht in unserer Lebenswelt, sondern im Vakuum. Und im gesamten Weltall gibt es keine ellipsenförmige Planetenbahn, in deren Brennpunkt die Sonne stünde, sondern nur in einer (konstruierten) isolierten Situation, die es aber in unserer Welt nicht gibt.

5.  Was in unsere Lebenswelt unmittelbar erfahrbar ist, wird durch die – eben deshalb so erfolgreiche – westliche Logik ausgeschlossen: das Einmalige, nicht Reproduzierbare, Qualitative, Subjektive, die Synthese, die Vernetzung, eben weil wir die Welt in Teile zerlegen, fragmentieren müssen.

6.  Verkürzt könnte man dagegen sagen: Es existiert nur das Ganze, isolierte Teile (mit denen wir uns heute hauptsächlich beschäftigen) sind nur eine Fiktion unseres Denkens. Auch wenn wir uns an isolierten Teilen orientieren und daraus die Erfolgsgeschichte der Naturwissenschaft geschrieben haben.

7.  Einzelne Forschungsgebiete sind offene, nicht isolierte Bereiche. Die Wissenschaften können nichts über ihre „Oberbegriffe“ aussagen. Physik kann nicht sagen, was Materie ist, Biologie nicht, was Leben ist, Psychologie nicht, was Seele ist. Hans-Peter Dürr steht nicht an zu sagen, dass es das, womit er sich sein ganzes Forscherleben lang beschäftigt hat, nämlich die Materie (so wie wir sie uns bisher vortestellt haben), gar nicht gibt.

8.  Derselbe sagt auch, dass wir heute mit der Technologie des 20. Jahrhunderts und den Problemen des 21. Jahrhunderts leben, das alles aber mit dem Denken des 19. Jahrhunderts bewältigen wollen, und „das kann nur in den Graben gehen.“

9.  Wir beherrschen die Realität (res – die Welt der isolierten Dinge) und sind hilflos in Bezug auf die Wirklichkeit (das Ganze). Das „Menschliche“ ist uns ferner denn je. Was auch gar nicht erstaunlich ist, denn wenn alle möglichen wissenschaftlichen Fragen  beantwortet sind, dann sind unsere Lebensprobleme noch gar nicht berührt (Wittgenstein, Tractatus 6.52).

10. Ein zeitgemäßes Welt- und Menschenbild wäre daher dringend notwendig. Dazu wäre das sich aus der Quantenmechanik, der Chaostheorie (der Theorie komplexer Systeme – die Naturwissenschaft ist dagegen eine Theorie einfachster Systeme) und der Tiefenpsychologie ergebende ganzheitliche Denken zu reflektieren (was nicht heißt, die Quantenmechanik auf andere Gebiete anzuwenden, wie das so oft versucht wird), ebenso der andere (von Platon ausgehende) Strom des europäischen Denkens neben jenem, der von Aristoteles zur Naturwissenschaft führt. Es müsste außerdem alle Dimensionen menschlichen Wissens (repräsentiert an den Universitäten: von der Physik und Chemie über Biologie, Psychologie und Soziologie bis zur Philosophie und Theologie) einbeziehen.

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Hat Denken etwas mit der Wirklichkeit zu tun?

Brückenbau

Unsere Logik funktioniert so, dass wir das, worum es eigentlich geht, nicht erkennen. Und das ist zunächst auch gut so, denn nur das garantiert die Offenheit, die durch diese Logik sonst verloren ginge.

dsc_0007In der Physik geht es um die Materie, in der Biologie um das Leben, in der Psychologie um die Seele, in der Philosophie um Weisheit, in der Theologie um Gott – und keine dieser Disziplinen kann erklären, worum es ihnen geht. Oberbegriffe sind nicht erklärbar. Die Physik kann nicht sagen, was Materie ist, sie verwendet nicht einmal diesen Begriff, sondern spricht von Masse, und das nur vorsichtig. Kein Biologe kann sagen, was Leben ist, usw.

Besonders schwierig hat es die Medizin. Sie behauptet krampfhaft, Naturwissenschaft zu sein, obwohl es um den Menschen geht, der in der Naturwissenschaft nicht vorkommt. Ärzte haben Menschen vor sich, beschäftigen sich aber nur mit deren Krankheit, nicht mit dem (gesunden) Menschen. Im…

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